Malerwerkstätte für Putz-, Maler- und Trockenbauarbeiten 


Michael Reich übernahm die Firma  

Interessanterweise  stammte der Nachfolger von Sebastian Borst ebenfalls aus Sulzfeld am Main. Er hieß Michael Reich; wurde am 21. September 1818 geboren und kam als 29-jähriger Tüncher nach Miltenberg. Vielleicht gab es von früher bereits Verbindungen;

Reich dürfte den verstorbenen Borst sicherlich gekannt haben. Eventuell war dies sogar der Grund dafür, daß Michael Reich sich sowohl um den Betrieb als auch um die Witwe bemühte, und das mit Erfolg.

Sein Gesuch um Ansässigmachung als Tüncher und Verehelichung mit Veronika Borst vom 14. Januar 1848 wurde etwa 4 Wochen später genehmigt. Zu diesem Zeitpunkt besaß der Zu­wanderer laut gerichtlich bestätigtem Zeugnis ein elterliches Vermögen von 360 Gulden und erspartes Geld in Höhe von 100 Gulden. 

Schon in seinem ersten Jahr als Miltenberger Bürger mußte er die Revolution miterleben. Was im Frühjahr 1848 in Frankreich begann, schlug seine Wellen über den Rhein und der "Ruf nach Freiheit" war auch in Miltenberg zu hören. Die Bürger rebel­lierten gegen die Obrigkeit und zerstörten schließ­lich den Dampfbock an der Main-Anlegestelle und legten Feuer am Haus des fürstlichen Revierförsters Madler.

Das Geschäft des Tünchermeisters Reich befand sich damals im stadteinwärts gelegenen Haus neben dem Gasthof Anker in der Hauptstraße. Inzwischen gab es übrigens den Zwang zur Mitgliedschaft der Zunft nicht mehr, denn am 30. Januar 1868 erließ das Königreich Bayern ein Gewerbegesetz, welches den Kampf um die Ge­werbefreiheit beendete.

Die erste bekannte zunftähnliche Vereinigung von Malern (damals noch Schilderer genannt) wurde schon 1196 in Magdeburg gegründet. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch das Wappen mit den drei Schildern, welches heute noch Gültigkeit hat. Im Laufe der Jahrhunderte wurden überall die Zünfte ins Leben gerufen, die ihren Mitgliedern zwar bestimmte Rechte und Vorteile einräumten, aber auch zahlreiche Pflichten.

In vielen Malerordnungen wurde z.B. festgelegt, daß die Farben von eigener Hand hergestellt werden mußten. Das Material dazu bei Händlern am Ort oder fahrenden Kaufleuten bezogen; der Einkauf unterlag der Aufsicht der Zunft.

Noch bis in das 18. Jahrhundert war der Maler­meister fast stets sein eigener Farbenhersteller. Er verwendete dazu Trockenpigmente aus Erdfarben. Pflanzliche Öle, vor allem Lein- oder Nußöl, aber auch Kalk, Wachs und tierische Leime waren die Löse- und Bindemittel. Das Farbenanreiben erfor­derte einen enormen Zeitaufwand, weshalb manch­mal neben dem Gesellen ein Farbenreiber beschäf­tigt wurde. Später, im 19. Jahrhundert diente eine Trichtermühle als Hilfsmittel, um größere Mengen von Farben oder Lackpasten herzustellen. Meist war es der Lehrling, der im Winter — der auftrags­schwachen Zeit — mit der Handkurbel das Schwungrad der Mühle bedienen mußte. Von manchen Malern, — so auch von Meister Reich—wurden die Wintermonate genutzt, um Haus­madonnen aus Gips zu formen und zu bemalen.

Sie wurden dann im Lauf des Jahres im Ladenge­schäft verkauft, vielleicht zieren einige davon noch heute so manche Häuser.

War bis Ende des 18. Jahrhundert die Malerei noch ein ausgesprochen städtisches Handwerk im Kleinstbetrieb mit mehr Meistern als Gesellen, so war dies im 19. Jahrhundert bereits umgekehrt. Die Zunahme der Bevölkerung benötigte einen größeren Wohnraumbedarf, das Bauhandwerk florierte.

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